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RN 12. Juni 2007
Tenor contra Orchester
Witten - Ganz im Zeichen Beethovens stand das Sommerkonzert der Uni. Allgegenwärtig von der Ouvertüre bis zu
den Zugaben musste der Altmeister dennoch für einen besonderen Glanzpunkt zeitgenössisches Schaffens Raum geben. Denn Ingo Ernst Reihl und der Uni-Chor hatten von den diesjährigen 'Duisburger Akzenten' eine Szene aus
'the CIVIL warS' von Philip Glass mitgebracht.
Im Mai hatte der Chor bei zwei Vorstellungen dieser Oper um Kampf und Befreiung nicht nur singend, sondern auch tänzerisch schauspielernd mitgewirkt. Sung Keun Park
(Tenor) als Solist in der Rolle des Freiheitshelden Garibaldi hatte man gleich mitgebracht.
Doch bereitete der Verzicht auf Headphone und Verstärker dem hochkarätigen Park ungeahnte Probleme, hatte er doch trotz
erheblicher Kraftanstrengung kaum Chancen, beim Mezzoforte des Orchesters durchzudringen. Die Duisburger Inszenierung war darauf eingestellt, doch in Witten konnte Reihl die Musiker in der fulminanten Orchestrierung
zurücknehmen, wie er wollte: die Komposition machte Balance 'unplugged' unmöglich.
Beethovens Coriolan-Ouvertüre bildete den fulminanten Auftakt. Im 3.Klavierkonzerts brillierte Niels Niemann, Student der
Zahnmedizin, als Solist. Mit fünf Jahren begann er eine durch viele Wettbewerbserfolge gekennzeichnete Musikerausbildung, die er nicht weiter verfolgen möchte.
Reminiszenzen an Mozart eröffnete das Largo, doch
einfühlsame Frühromatik setzte sich bald durch. Mit inniger Leichtigkeit führte Niemanns Kadenz zum elegisch-sakralen Satzende. Eine Ballett-Etude, durchdrungen von Beethovens Klanggewalt, war das Rondo, bevor Niemann ein
orientalisches Thema einflocht. Mit Bravo-Rufen feierte ihn das Publikum.
Beeindruckende Klanggemälde zu Goethes Worten zeichnete Reihl mit Chor und Orchester, zeigte emotionale Fülle in Meeresstille' und
'Glückliche Fahrt'. - masc
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